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Praktische §-34i-Prüfung: 10 Beratungsfehler, die Punkte kosten
Wie Sie das simulierte Kundenberatungsgespräch strukturiert, kundengerecht und prüfungssicher führen
Einleitung
In der praktischen Sachkundeprüfung nach § 34i GewO reicht es nicht, möglichst viele Fachbegriffe zu nennen oder sofort ein Darlehensmodell zu präsentieren. Geprüft wird, ob Sie eine unvollständige Kundensituation systematisch erschließen, den tatsächlichen Finanzierungsbedarf ermitteln, geeignete Lösungsansätze verständlich erläutern und das Gespräch konsequent am Kunden ausrichten.
Gerade fachlich gut vorbereitete Prüflinge verlieren Punkte, weil sie zu früh beraten, wichtige Fragen auslassen, Risiken nur oberflächlich ansprechen oder ihr Wissen nicht in eine nachvollziehbare Gesprächsstruktur übersetzen. Dieser Beitrag zeigt zehn typische Fehler und jeweils eine konkrete bessere Formulierung.
Inhaltsverzeichnis
So ist der praktische Prüfungsteil aufgebaut
Der praktische Teil wird als Simulation eines Kundenberatungsgesprächs durchgeführt. Nach der Immobiliardarlehensvermittlungsverordnung soll die zu prüfende Person zeigen, dass sie kundengerechte Lösungen entwickeln und anbieten kann. Die IHKs arbeiten dabei mit Fallvorgaben, die bewusst nur einen Teil der benötigten Daten enthalten. Fehlende Informationen müssen im Gespräch erfragt werden.
Üblicherweise stehen etwa 20 Minuten Vorbereitungszeit und rund 20 Minuten Gesprächszeit zur Verfügung. Der praktische Teil ist bestanden, wenn mindestens 50 Prozent der erreichbaren Punkte erzielt werden. Maßgeblich sind die Prüfungsordnung der jeweiligen IHK und die konkret verwendeten Bewertungsunterlagen.
Die drei Bewertungsbereiche und ihre Gewichtung
| Bereich | Maximalpunkte | Worauf es ankommt | Typische Verlustquelle |
|---|---|---|---|
| A: Kundensituation | 20 | Persönliche Daten, Anlass, Perspektiven, Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten und kreditrelevante Angaben vollständig erfassen. | Zu wenige oder unstrukturierte Fragen. |
| B: Kundenbedarf und kundengerechte Lösung | 50 | Kundenanforderungen, Finanzierungsbedarf, mögliche Bausteine und eine nachvollziehbare Lösung entwickeln. | Produkt nennen, bevor Bedarf und Zahlen geklärt sind. |
| C: Gesprächsführung und Systematik | 30 | Informationspflichten, verständliche Sprache, Struktur, Zusammenfassungen, aktive Fragen und Umgang mit Einwänden. | Monolog, Fachjargon, fehlender roter Faden. |
Zehn Beratungsfehler, die Punkte kosten
1. Ohne sauberen Gesprächsrahmen sofort ins Produkt einsteigen
2. Den eigentlichen Kundenanlass nur oberflächlich erfassen
3. Berufliche und persönliche Perspektiven nicht einbeziehen
4. Die Haushaltsrechnung mit groben Pauschalen abkürzen
5. Vermögen und Verbindlichkeiten nur als Gesamtsumme betrachten
6. Den Finanzierungsbedarf falsch oder unvollständig berechnen
7. Kundenanforderungen an die Finanzierung nicht konkretisieren
8. Finanzierungsbausteine aufzählen, aber nicht verständlich vergleichen
9. Risiken, Restschuld und Anschlussfinanzierung ausblenden
10. Das Gespräch als Monolog führen und ohne klares Ergebnis beenden
Das BERATEN-Schema für ein sicheres Prüfungsgespräch
Das folgende Schema hilft, auch unter Zeitdruck einen roten Faden zu halten:
| Schritt | Prüfungsziel |
|---|---|
| B – Begrüßen und Beratungsrahmen setzen | Rolle, Anlass, Vorgehen und erforderliche Informationen transparent machen. |
| E – Erfassen der Kundensituation | Persönliche und berufliche Perspektiven, Einnahmen, Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten und Objektangaben klären. |
| R – Anforderungen priorisieren | Wunschrate, Zinsbindung, Tilgung, Flexibilität, Sondertilgung und Sicherheitsbedürfnis erfragen. |
| A – Ausrechnen des Finanzierungsbedarfs | Gesamtkosten, einsetzbare Eigenmittel, Reserve und benötigte Darlehenssumme nachvollziehbar bestimmen. |
| T – Transparente Varianten erklären | Wenige passende Finanzierungsbausteine mit Nutzen, Kosten, Bindungen und Risiken vergleichen. |
| E – Empfehlung begründen und Risiken einordnen | Die Lösung auf Kundenwünsche beziehen, Restschuld und Belastbarkeit ansprechen. |
| N – Nächste Schritte zusammenfassen | Ergebnis, offene Punkte, Unterlagen und weiteres Vorgehen klar benennen. |
Musterfall: Vom unvollständigen Datensatz zur Empfehlung
Ein Ehepaar möchte eine selbst genutzte Eigentumswohnung für 390.000 Euro erwerben. Aus der Fallvorgabe bekannt sind 75.000 Euro Festgeld, ein Girokontostand von 2.500 Euro und der Wunsch nach einer „möglichst kleinen Rate“. Weitere Daten fehlen.
Schritt 1: Nicht sofort rechnen, sondern Lücken identifizieren
- Kaufnebenkosten und möglicher Modernisierungsbedarf
- Nettoeinkommen, variable Bestandteile und berufliche Perspektiven
- Lebenshaltung, Versicherungen, Fahrzeuge, bestehende Kredite und Unterhalt
- Liquiditätsreserve nach dem Kauf
- Wunsch nach Zinsbindung, Sondertilgung und Tilgungssatzwechsel
- Kinderwunsch, Elternzeit oder andere absehbare Einkommensänderungen
Schritt 2: Kundenwunsch übersetzen
„Möglichst kleine Rate“ ist noch keine ausreichende Anforderung. Fragen Sie, ob die Rate nur in den ersten Jahren niedrig sein soll, welche maximale Belastung dauerhaft tragbar ist und ob der Kunde dafür eine höhere Restschuld akzeptiert. Eine niedrige Rate kann dem Wunsch nach Sicherheit oder schneller Entschuldung widersprechen.
Schritt 3: Vorläufige Lösung als begründete Bandbreite
Solange zentrale Angaben fehlen, sollte keine endgültige Produktempfehlung ausgesprochen werden. Prüfungssicher ist eine vorläufige Einordnung: „Auf Basis Ihrer heutigen Prioritäten kommen ein langfristig zinsgebundenes Annuitätendarlehen und gegebenenfalls ein ergänzender Förderbaustein in Betracht. Die konkrete Darlehenshöhe und Rate können wir erst nach vollständiger Haushaltsrechnung und Klärung der einsetzbaren Eigenmittel belastbar bestimmen.“
Checkliste für Vorbereitungs- und Gesprächszeit
20 Minuten Vorbereitung
- Fallziel und Immobilienart markieren: Kauf, Bau, Modernisierung, Kapitalanlage oder Anschlussfinanzierung.
- Bekannte Zahlen in Gesamtkosten, Eigenmittel, Vermögen, Verbindlichkeiten und bestehende Finanzierung sortieren.
- Alle Datenlücken aus der Legende in eine Fragenliste übertragen.
- Besondere Risiken erkennen: Elternzeit, Selbstständigkeit, Ruhestand, Erbbaurecht, Mieteinnahmen, bestehende Grundschuld oder kurze Restzinsbindung.
- Zwei bis drei realistische Finanzierungswege als Hypothese vorbereiten – noch nicht als endgültige Empfehlung.
- Gesprächsstruktur und Schlusszusammenfassung auf einem Blatt notieren.
20 Minuten Gespräch
- Minute 1–2: Begrüßung, Rolle, Ablauf und Anlass.
- Minute 3–8: Kundensituation, Perspektiven, Einnahmen, Ausgaben, Vermögen und Verbindlichkeiten.
- Minute 9–11: Kundenanforderungen und Prioritäten.
- Minute 12–14: Finanzierungsbedarf und Tragbarkeit.
- Minute 15–18: Varianten erklären, Empfehlung begründen und Risiken ansprechen.
- Minute 19–20: Zusammenfassung, offene Unterlagen und nächste Schritte.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur praktischen §-34i-Prüfung
Wie lange dauert die praktische Prüfung?
Viele IHKs sehen ungefähr 20 Minuten Vorbereitungszeit und rund 20 Minuten Kundenberatungsgespräch vor. Verbindlich sind die Einladung und Prüfungsordnung der jeweiligen IHK.
Wie viele Punkte brauche ich zum Bestehen?
Nach § 3 ImmVermV ist der praktische Teil bestanden, wenn mindestens 50 Prozent der erreichbaren Punkte erzielt werden.
Muss ich im Gespräch eine vollständig berechnete Finanzierung präsentieren?
Nein. Sie müssen eine kundengerechte Lösung entwickeln und anbieten. Bei fehlenden Daten ist eine nachvollziehbare vorläufige Einordnung mit klar benannten offenen Punkten besser als eine erfundene Präzision.
Darf ich Notizen und Beratungsunterlagen verwenden?
Übliche Beratungsutensilien sind bei vielen IHKs zulässig. Welche Hilfsmittel konkret erlaubt sind, sollte vorab bei der prüfenden IHK geprüft werden.
Sind die Fallvorgaben vorher bekannt?
Die DIHK veröffentlicht standardisierte Fallvorgaben. Welche konkrete Vorgabe im Prüfungstermin ausgewählt wird, entscheidet der Prüfungsausschuss.
Muss ich jede denkbare Finanzierungsform erklären?
Nein. Entscheidend ist, geeignete Bausteine auszuwählen, verständlich zu erklären und auf die Kundenanforderungen zu beziehen. Eine ungeordnete Produktliste kostet eher Zeit und Klarheit.
Was passiert, wenn der Prüfer eine wichtige Information nicht von selbst nennt?
Die Fallvorgaben sind bewusst unvollständig. Sie müssen die relevanten Informationen aktiv und strukturiert erfragen.
Ist ein Rechenfehler automatisch das Ende der Prüfung?
Nicht zwingend. Korrigieren Sie den Fehler transparent, erklären Sie die richtige Logik und leiten Sie die Auswirkungen auf Finanzierungsbedarf, Rate oder Restschuld neu ab.
Wie gehe ich mit einem Einwand des Kunden um?
Nicht widersprechen oder übergehen. Einwand aufnehmen, Verständnis prüfen, sachlich beantworten und anschließend nachfragen, ob die Sorge geklärt ist.
Sollte ich die niedrigste Rate empfehlen?
Nur wenn sie zum Bedarf, zur Tragfähigkeit und zum Sicherheitsprofil passt. Eine niedrige Rate kann eine höhere Restschuld und größere Anschlussrisiken verursachen.
Welche Fragen bringen besonders viele Informationen?
Offene Fragen zu Ziel, Lebensplanung und Prioritäten; anschließend präzise geschlossene Fragen zu Zahlen, Fristen, Verpflichtungen und gewünschten Vertragsmerkmalen.
Kann ich bestehen, obwohl nicht jeder Einzelpunkt perfekt war?
Ja. Der praktische Teil wird als Gesamtleistung bewertet. Sie müssen mindestens 50 Prozent erreichen; ein klarer Beratungsprozess kann einzelne kleinere Lücken ausgleichen.
Muss ich rechtliche Informationspflichten wörtlich aufsagen?
Nein. Sie sollten die relevanten Informationen verständlich, situationsgerecht und in der richtigen Gesprächsphase vermitteln. Reines Aufsagen ohne Kundenbezug wirkt nicht beratungsorientiert.
Wie wichtig ist die Schlusszusammenfassung?
Sehr wichtig. Sie zeigt Struktur, Kundenorientierung und Ergebnisfähigkeit. Nennen Sie Ziel, wesentliche Eckpunkte, vorläufige Empfehlung, Risiken und nächste Schritte.
Was ist der häufigste Grund für unnötige Punktverluste?
Zu frühe Produktberatung bei unvollständiger Bedarfsermittlung. Wer erst fragt, dann rechnet und erst danach empfiehlt, vermeidet viele Folgefehler.
Fazit: Der rote Faden ist wichtiger als ein Produktmonolog
Die praktische §-34i-Prüfung belohnt keine auswendig gelernte Verkaufsshow. Sie prüft, ob Sie aus einer unvollständigen Situation durch gute Fragen, saubere Berechnungslogik und verständliche Kommunikation eine kundengerechte Lösung entwickeln können. Die größten Punktverluste entstehen, wenn einzelne Schritte übersprungen werden.
Orientieren Sie sich deshalb konsequent an der Reihenfolge: Situation erfassen, Ziele priorisieren, Finanzierungsbedarf bestimmen, Alternativen erklären, Empfehlung begründen, Risiken einordnen und nächste Schritte zusammenfassen.
Gezielte Vorbereitung auf die IHK-Sachkundeprüfung nach § 34i GewO finden Sie unter: sachkundelehrgaenge.de
Quellen und Rechtsgrundlagen
Rechtsstand: 25. Juli 2026. Die Darstellung dient der fachlichen Prüfungsvorbereitung und ersetzt keine Rechtsberatung oder verbindliche Auskunft der prüfenden IHK.
§ 34i Gewerbeordnung – Immobiliardarlehensvermittler: https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__34i.html
§§ 1 und 3 Immobiliardarlehensvermittlungsverordnung sowie Anlage 1: https://www.gesetze-im-internet.de/immvermv/
DIHK: Fallvorgaben zum Kundenberatungsgespräch, gültig seit März 2024: https://www.dihk.de/resource/blob/153880/2b20d49c9322b34d86e8e23bd687825c/recht-fallvorgaben-immobiliardarlehensvermittler-ab-maerz-2024-data.pdf
DIHK: Protokollbogen Kundengespräch, Empfehlung seit März 2024: https://www.dihk.de/resource/blob/153888/5c3e088982d9da5a7d4f6a5e1980ec7c/recht-protokollbogen-immobiliardarlehensvermittler-ab-maerz-2024-data.pdf
IHK Düsseldorf: Ablauf des praktischen Prüfungsteils: https://www.ihk.de/duesseldorf/ausbildung/pruefungen-und-unterweisungen2/sachkundepruefungen/sachkundepruefung-immobiliardarlehensvermittler-3136844
SEO- und Redaktionsdaten
| SEO-Titel | Praktische §-34i-Prüfung: 10 Beratungsfehler, die Punkte kosten |
|---|---|
| Meta-Description | Zehn typische Fehler im praktischen §-34i-Beratungsgespräch: Bedarfsermittlung, Haushaltsrechnung, Finanzierungsbedarf, Produkterklärung, Risiken und sichere Formulierungen. |
| Vorgeschlagener Slug | praktische-34i-pruefung-beratungsfehler |
| Hauptkeyword | praktische § 34i Prüfung Beratungsfehler |
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